Was für ein Abend

Ich könnte jetzt über alles mögliche schreiben. Zum Beispiel über den Lunch 2.0 heute in Hamburg oder den hinterher statt gefundenen Workshop mit Schülern und Mitgliedern der Handelskammer Hamburg. Statt dessen gibt es etwas anderes, das alles andere heute erlebte verdrängt.

Nach dem Workshop haben wir es uns noch in CoreMedias Chill-Out etwas gemütlich gemacht, um den Abend bei einem Bierchen ausklingen zu lassen. Später wollte ich dann meine Sachen aus meinem Büro holen und stelle mit Erschrecken fest, dass der Raum abgeschlossen ist. Ich hab keinen Schlüssel. Aber Björn ist ja auch noch da, der hat einen Schlüssel, aber ich ahne schon, dass er den nicht dabei hat. Wieso auch, man trägt ja auf der Arbeit nicht den Schlüssel mit sich rum, der letzte schließt die Tür ab. Und wer auch immer abgeschlossen hat, dachte wohl er sei der letzte, war er aber nicht!

Pessimistisch frage ich Björn nach seinem Schlüssel, er schüttelt nur traurig den Kopf. Aber hey, unser CEO ist auch noch da, der hat doch einen Generalschlüssel – den muss er doch haben! Pustekuchen, sein Schlüssel öffnet unsere Bürotür nicht, wir arbeiten anscheinend im Hochsicherheitstrakt von CoreMedia, und nur besonders bevollmächtigte Personen erhalten Zugang. Hab ich schon erwähnt, dass ich keinen Schlüssel habe?

Nächster Anhaltspunkt, Sven anrufen. Erstens hat er vorhin abgeschlossen, zweitens wohnt er von den übrigen Schlüsselbesitzern am nächsten an der Firma. Die anderen beiden in Schwarzenbek und Kiel. Weiter weg geht auch kaum. Doch keiner von uns hat Svens private Handynummer. Diese lässt sich auch durch uns nicht im Intranet-Wiki finden. Was nun?

Wir sind immer noch ruhig und in keinster Weise in Panik, obwohl sich in dem Raum alles befindet: Schlüssel, Jacken, Taschen, Geld … Als Fallback kommt gegen 23 Uhr die Putzfrau, die muss doch einen Schlüssel haben – muss sie doch, oder? Auf jeden Fall wollen wir nicht bis 23 Uhr warten und rufen den Sicherheitsdienst an, der hat bestimmt einen Schlüssel – also der muss doch jetzt wirklich einen Schlüssel haben.

30 Minuten später steht der Wachdienst bei uns im Büro – ohne Schlüssel. Er habe keinen, nur die Zugangskarte, die alle automatischen Türen öffnet, ohne die Alarmanlage auszulösen. Mist! Voller Mitleid verabschiedet sich der Wachmann wieder und wir sind immer noch keinen Schritt weiter. Ich will nicht im T-Shirt durch die Kälte nach Hause laufen.

Während wir auf die bestellte Piza warten, telefoniert Björn die Auskunft ab und versucht Telefonnummern herauszufinden. Bei einem Kollegen hat er endlich Glück und findet seine Festnetznummer. Er wohnt leider viel zu weit weg, um noch vorbeizukommen, aber vielleicht hat er die Handynummer von Sven. Er hat sie und wir rufen Sven an: Mailbox. So richtig überrascht uns das jetzt auch nicht mehr. Wir haben uns damit abgefunden bis 23 Uhr zu warten und ich rechne ehrlich gesagt auch damit, dass die Putzfrau dann genau den Schlüssel zu unserem Büro vergessen hat.

Björn hat zum Glück noch eine DVD dabei, die er nicht im Büro liegen hatte und wir wollen uns die Zeit mit Film schauen überbrücken, brauchen wir also nur noch einen Laptop. Nachdem wir etwas am Empfang herumgesucht haben, finden wir den Schlüssel zum Schrank in dem die Präsentationsnotebooks augbewahrt werden. Gerade als Björn den den Schrank aufschließt und ich den Laptop herausnehme fällt Björn ein Schlüsselbund ins Auge. Die unglaubliche Beschriftung: "Büro Support/IT". Man, das ist doch unseres.

Wir hetzen zu unserer abgeschlossenen Tür und Björn steckt den Schlüssel ins Schloß. Er traut sich aber nicht den Schlüssel gleich zu drehen, sondern starrt mich gebannt an. Wir atmen beide tief ein und halten die Luft an … der Schlüssel lässt sich drehen und die Tür schwingt auf. Wir gehen beide ohnmächtig zu Boden.

Ungefähr eine halbe Stunde später erwachen wir beide zeitgleich packen unsere Sachen und machen uns noch benommen auf den Heimweg.

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