Die Meilenverarsche

19.08.09 MUC Lufthansa Cityline CRJ200 D-ACHK
Creative Commons License photo credit: spotterjohnsen

Ich habe heute das erste mal selber einen Flug bei Lufthansa gebucht. Ich wollte mal einen auf “Big Spender” machen und meine angesammelten Meilen grosszuegig investieren. Eine Reise nach New York City soll es sein, mal sehen was das an Meilen kosten soll. Schlappe 57 000 Meilen fuer einen Economy Flug von Hamburg nach New York, hin und zurueck. “Das geht klar,” denke ich und stolpere dann am Ende des Angebots ueber den Hinweis, das dennoch 305 EUR fuer Steuern und Gebuehren faellig werden.

WIE BITTE?

Gut, dass es da einen Haken gibt, habe ich mir gedacht. Den finde ich dann aber doch ganz schoen gross. Aus Neugier suche ich mir mal raus, was mich der selbe Flug regulaer kosten wuerde. Wow, 450 EUR. Na, da ist die Ersparnis aber ueberschaubar.

Aber irgendwann muss ich meine Meilen ja doch mal ausgeben, also, was kostet mich denn ein Flug in der Business Class. Fuer 90 000 Meilen sind sie dabei, Steuern und Gebuehren immer noch 305 EUR. Der Flug koeste regulaer 2000 EUR. Das Verhaeltnis von Investition und Ersparnis ist deutlich besser. Es muss also Business sein.

Nun ist es so, dass solch eine Reise alleine keinen Spass macht. Meine Reisegefaehrtin – arm in Meilen – lasse ich zuerst buchen, ich bin ja flexibel. Alle Fluege kosten mich das selbe. Der guenstigste Lufthansa Flug muss es sein und der geht nach Newark. Mein Versuch den selben Flug zu buchen scheitert an folgender Kontradiktion:

  1. Ein Bonus Flug muss hin und zurueck in der selben Klasse gebucht werden
  2. Den Hinflug gibt es nur in Economy
  3. Der Rueckflug steht nur in der Business Class zur Verfuegung

VEFLUCHT! *an dieser Stelle faengt mein Verhalten an leichte Tendenzen vom HB Maennchen, dem aus der alten Werbung, anzunehmen*

Ok, denk nach! Economy Class kommt nicht in Frage, da habe ich ja nichts von den schoenen Meilen. Irgendwie haengt man ja doch an den virtuellen Dingen. Man hat sich so daran gewoehnt, ihr versteht. Es steht auch ausser Frage, dass ich den selben Flug nehmen muss. Zum einen, um nicht alleine Fliegen zu muessen (nicht so schlimm), zweitens Taxifahrten teilen (schon schlimmer) und ueberhaupt wenn man nicht gemeinsam fliegt muss man immer auf den anderen warten (der horror!)

Mal schauen was der Flug von Hamburg nach Newark kostet, wenn man keine Meilen einloest. Oh, nur 369 EUR und 305 EUR muesste ich eh bezahlen. Na dann buche ich halt regulaer, die Differenz ist jetzt auch nicht so schlimm, ist ja schliesslich Urlaub. Und dann kommt der Hammer … 369 EUR im Sinn, und dann …

Ich buche den Flug, der naechste Buchungsschritt erfordert meine persoenlichen Daten. Ob das wirklich meine Miles & More Nummer ist, ob die Adresse noch stimmt? Alle Daten korrekt, naechste Seite, ich soll jetzt 382 EUR bezahlen.

WIE INTRANSPARENT IST DASS DENN? Zuerst die Verarsche mit den Meilen und den Gebuehren und Steuern, dann stimmt der Preis nicht mal. Wie ist die Telefonnummer von dieser Verbraucherschutzbehoerde eigentlich?

Ich entscheide mich – Digital Immigrant der ich bin – fuer die Zahlung per Paypal.

“Wie moechte ich denn mein elektronisches Ticket abholen?”

- “Mit meiner Miles & More Karte natuerlich!”

“Wie ist denn ihre Nummer?”

HALLO! Eine Seite vorher wusstest du das doch noch … an dieser Stelle fange ich das erste mal an, mit dem System zu sprechen als waere es ein Mensch. Dann faellt mir aber auch schnurstracks wieder ein, wie hoellisch vergesslich Computer sind, wie komplex zu implementieren solche Systeme sind – und ausserdem sind sie (noch) keine Humanoiden. Ich soll mich lieber freuen, dass es ueberhaupt geht.

Meine Nummer scheint aus einer unendlichen Zahlenfolge zu bestehen, aber nach knapp zwei Tagen hab ich die Nummer von der Plastikkarte abgeschrieben (die ich natuerlich erst mal aus meinem Portemonnaie zuecken musste, das ich natuerlich erst einmal suchen musste.)

Endlich, kann es weiter gehen. Nach der ueblichen Paypal-Authorisierungs-und-Bestaetigungszeremonie endlich die Buchungsbestaetigung. Vielen dank fuer die Zahlung von 368,25 EUR, guten Flug … Auf wieder sehen und Good Bye.

WAIT, WHAT?! Wieso jetzt 368,25 EUR? Also wirklich, das HB Maennchen erwacht langsam in mir, bevor es aber den Schlafsand aus den Augen reibt wird mir klar, dass ich es geschafft habe; Ich habe den Flug gebucht, die Spannung loest sich in nervoeses Gelaechter auf.

Aber mal im Ernst, kann es so schwer sein, seinen Kunden von Anfang an mitzuteilen, was denn nun wirklich der Preis fuer einen Flug ist. Wahrscheinlich weiss das Lufthansa bis zum Ende selber nicht, schliesslich verkaufen die ja haupstaechlich Catering, Koffer, Taschenradios und Pilotenuhren – Fluege nur so nebenbei. Da sind die am Ende wohl selber ueberrascht was so ein Flug wirklich kosten mag.

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Eigenen Senf dazu geben